Keine Fundis! Heute und morgen auf die Straße!

Heute (21.09.) gibt es um 18h eine queer-feministische Vorabenddemo, da auch die Fundis schon heute aktiv sind und ihren Antifeminismus verbreiten.
Und morgen (22.09.) wollen wie jedes Jahr wieder christliche Fundamentalist*innen durch Berlin marschieren und ihre mittelalterlichen Ansichten verbreiten.

Im Besonderen fordern sie ein komplettes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen.
Dabei ist der Schwangerschaftsabbruch auch heute noch in fast allen Fällen kriminalisiert. 96% aller Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland werden nach der Beratungsregelung durchgeführt und sind dadurch nach §218StGB eine Straftat, wenn auch straflos.

Nach Zahlen des statistischen Bundesamtes werden in Deutschland jährlich ca. 100.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt 96% davon nach Beratungsregelung. Das heißt, dass dank der §§218 und 219 in Deutschland in 10 Jahren mindestens eine Million Mal ungewollt Schwangere kriminalisiert und gesellschaftlich stigmatisiert werden. Sie werden zu einer Pflichtberatung gezwungen und es wird ihnen schwer gemacht überhaupt an Informationen zu kommen. Letzteres aufgrund eines Relikts aus der Nazizeit – einem Paragraphen aus dem Jahr 1933!
Wenn ungewollt Schwangere nach Infos im Internet suchen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie zunächst auf Seiten von AbtreibungsgegnerInnen landen, auf welchen versucht wird, ihnen mit vollkommen übertriebenen und unrealistischen Bildern und Lügen ein schlechtes Gewissen zu machen.

Diese christlichen Fundamentalist*innen nennen sich selbst „Lebensschützer“, aber was sie fordern hat nichts mit Lebensschutz zu tun.
Länder mit restriktiven Gesetzgebungen weisen keineswegs weniger Abbrüche auf, sondern eher unsichere Abbrüche – die Folge davon ist viel zu oft, dass die ungewollt schwangere Person dabei verstirbt – laut der Weltgesundheitsorganisation jährlich zu Zehntausenden. Weitere tragen massive gesundheitliche Schäden davon.
Ihnen geht es nicht darum, Leben zu schützen, sondern darum, patriarchale Verhältnisse zu stützen, konservativen Müll zu verbreiten und vor Allem auch queere Personen massiv einzuschränken! Das ist die lebensfeindliche Realität, die sie sich wünschen – dass sie sich dabei „Pro Life“ nennen, ist so zynisch und gelogen, dass uns schlecht wird!

Also: bleibt kämpferisch und vermiest den Fundis morgen so richtig den Tag! Egal ob schlechtes Wetter oder harte Zeiten, es lohnt sich immer, für den Feminismus zu fighten!

Alle Infos findet ihr auf der Seite des What the Fuck-Bündnisses: https://whatthefuck.noblogs.org/

Solidarische und Kämpferische Grüße,
eure Medical Students for Choice Berlin

Positionierung der Ärzte*schaft zum §219

Es ist bedauernswert, dass sich der Deutsche Ärztetag gegen eine Streichung des 219a ausspricht; es zeigt, dass die Ärzt*innenschaft gespalten ist – neben Vorkämpferinnen wie Kristina Hänel gibt es auch viele konservative Stimmen. Diejenige Profession, die am Hebel sitzt und sich glaubhaft und vehement für eine Streichung zum Wohle von Millionen Frauen einsetzen könnte, verpasst diese Chance eines humanistischen ärztlichen Denkens und Handelns. Dabei ist in der Muster-Berufsordnung der Ärzt*innen von 2018 eigentlich für jegliche medizinischen Eingriffe sehr genau geregelt, was verbotene Werbung und was erlaubte Information ist:

§ 27 – Erlaubte Information und berufswidrige Werbung

(…)

(2) Auf dieser Grundlage sind Ärztinnen und Ärzte sachliche berufsbezogene Informationen gestattet.

(3) Berufswidrige Werbung ist Ärztinnen und Ärzten untersagt. Berufswidrig ist insbesondere eine anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung. Ärztinnen und Ärzte dürfen eine solche Werbung durch andere weder veranlassen noch dulden. Eine Werbung für eigene oder fremde gewerbliche Tätigkeiten oder Produkte im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit ist unzulässig. Werbeverbote aufgrund anderer gesetzlicher Bestimmungen bleiben unberührt.

(4) Ärztinnen und Ärzte können

  • nach der Weiterbildungsordnung erworbene Bezeichnungen,
  • nach sonstigen öffentlich-rechtlichen Vorschriften erworbene Qualifikationen,
  • als solche gekennzeichnete Tätigkeitsschwerpunkte und
  • organisatorische Hinweise

ankündigen.

Es braucht also keinen zusätzlichen Paragraphen im StGB!

Das Deutsche Ärzteblatt schreibt zu der Diskussion auf dem Erfurter Ärztetag 2018: „In der sehr ernsthaften und zeitweise nachdenklichen Debatte – an der sich 17 Ärzte und neun Ärztinnen beteiligten – war es oft sehr still im Saal der Erfurter Messe: Vor allem die sehr persönlichen Erfahrungen von Ärzten, die Patientinnen beraten oder die Eingriffe vornehmen, sowie von betroffenen Vätern beeindruckten die Anwesenden.“

Väter und „Ärzte“ (hier nicht gegendert, also auch nur männliche Ärzte?)  werden also angehört, aber die betroffenen Frauen selbst nicht?

 

 

 

Neuer Leitfaden für den ambulanten medikamentösen Schwangerschaftsabbruch!

Wir möchten euch heute die Meldung einiger Berliner Gynäkologinnen weiterleiten, die einen umfassenden Leitfaden namens „Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch in der Praxis“ erstellt haben, um es niedergelassenen Gynäkolog*innen einfacher zu machen diesen anzubieten. Bitte weiterverbreiten, vor allem natürlich an praktizierende Gynäkolog*innen; die Zeitschriften „Ärzteblatt“ und „Frauenarzt“ wollten die Meldung leider nicht abdrucken.

„Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Versorgung der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, ist in Deutschland -trotz gesetzlichem Auftrag- nicht gesichert.
Eine Möglichkeit dieses Dilemma anzugehen ist mehr Frauenärzt*innen zu befähigen den medikamentösen
Schwangerschaftsabbruch in ihrer Praxis anzubieten. Hierfür benötigt man in den meisten Bundesländern keine „Zulassung zum ambulanten Operieren“.

Da es weder Teil des Studiums noch der Facharztausbildung ist, es keinerlei Anleitung, Leitlinien, Workshops auf Kongressen
zum Thema „Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch“ gibt, hat sich eine Gruppe erfahrener Gynäkologinnen
„an den Küchentisch“ gesetzt und einen Leitfaden erarbeitet.

Weder der „Frauenarzt“ noch das „Ärzteblatt“ waren bereit einen kleinen Artikel darüber zu veröffentlichen.
Daher wählen wir diesen Weg der „Werbung“ für diese Veröffentlichung mit etwa 80 Seiten:

Ziel: Zugang zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland verbessern

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch (mSAB) ist eine anerkannte, sichere und wirksame Methode, die bis zur 9. Schwangerschaftswoche p.m. in Europa zugelassen ist. Während in anderen europ. Ländern 50 – 80 Prozent der SAB medikamentös durchgeführt (z.B. Schweiz 65%), sind es in Deutschland nur etwa 20 Prozent. (große regionale Unterschieden: z.B. Bremen 3%, Berlin 33%).

Der auf langjähriger Erfahrung basierende Leitfaden „Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch in der Praxis“ der Berliner Expertinnen soll den niedergelassenen Ärzt*innen die Aufnahme des medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs in das Leistungsangebot erleichtern.

Sehr praxisnah werden sowohl medizinische Aspekte (u.a. Umgang mit Problemfällen/Komplikationen) als auch rechtliche Rahmenbedingungen (u.a. gesetzliche Grundlagen, „off label use“) und weitere mögliche organisatorische Hürden erläutert. Im Anhang finden sich hilfreiche Musterdokumente (z.B. Aufklärungen für die Patientin) und weiterführende Links. Beispiel aus dem Inhaltsverzeichnis.

Im Moment vertreiben wir den „Leitfaden“ noch etwas umständlich über das:

Familienplanungszentrum FPZ-Berlin
Finanzbuchhaltung
Mauritius-Kirch-Str. 3
10365 Berlin

Falls Interesse besteht, senden Sie einen Umschlag mit € 25.- (fünfundzwanzig) und
Ihrer Postadresse an o.g. Adresse. Sie bekommen den Leitfaden + Quittung zugesandt.

Außerdem führen wir am 29. März 2019 im Rahmen des Berliner Frühjahrsymposium in Berlin einen längeren Workshop zur Durchführung des medikamentösen Schwangerschaftsabbruch an. Wer eine praktische/persönliche Anleitung wünscht, kann sich hierzu beim Berufsverband der Frauenärzte e.V, Berlin anmelden.

Wir sind auch bereit diesen Workshop auch für andere Veranstalter*innen durchzuführen.

Wir freuen uns über die Weiterleitung/Verbreitung dieser mail.

Kontakt:
info@praxis-tennhardt.de“

Neue Zahlen & Beiträge zur aktuellen Diskussion um die §§ 218 und 219a

Auch wenn regierungspolitisch im Sommer 2018 eher wenig passiert, wird die Debatte auf medialer und gesellschaftspolitischer Ebene kontinuierlich mit neuen Beiträgen und Zahlen gefüttert. Hier findet ihr eine kleine Zusammenstellung von Beiträgen zur aktuellen Debatte um die Paragraphen 218 und 219a.

In der ARD Sendung „Kontraste“ vom 23.08.2018 wird erstaunlich deutlich auf den eklatanten Mangel von Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, hingewiesen. Das Statistische Bundesamt hat hierzu auf die Anfrage der ARD auch neue Zahlen herausgegeben: Dass es aktuell ca. 1200 Praxen und Kliniken in Deutschland gibt, die Abbrüche ausführen, hatte Dinah Riese von der taz schon im März recherchiert gehabt. Dass dies aber eine 40% Reduktion seit 2003 bedeutet, ist eine erschreckende neue Nachricht.

Eine Zusammenfassung des aktuellen Standes der Debatte könnt ihr hier nachlesen (taz). Auch die EMMA hat in ihrer aktuellen Ausgabe dem Schwangerschaftsabbruch ein ganzes Kapitel gewidmet, darunter auch ein Artikel über die MSfC.

Wer Diskussionen live verfolgen möchte, kann dies am 5. September in der Heinrich-Böll-Stiftung tun bei der Streitwert-Veranstaltung des Gunda-Werner-Instituts mit dem Titel „Selbstbestimmung oder (Straf-)rechtliche Regelung? Feministische Positionen zum Schwangerschaftsabbruch und §218“ tun.

Auch bei der feministischen Sommeruni am 15. September wird es viele spannende Beträge geben, unter anderem diese ebenfalls vom Gunda-Werner-Institut ausgerichtete Veranstaltung: „Abtreibung und reproduktive Autonomie für Frauen* als Menschenrecht“.

„Paragraphen, Papayas und Pappnasen.“

Ein Blogbeitrag von Ninia La Grande – und wir werden erwähnt.

Über 100.000 Schwangerschaftsabbrüche werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Diese sind nur straffrei, wenn sie bis zur 12. Woche passieren und, wenn die Gesundheit der schwangeren Person in Gefahr ist oder die Schwangerschaft durch eine kriminelle Handlung entstand. Viele Abtreibungen sind also im Grunde immer noch illegal. Grund genug für Mediziner*innen in der Ausbildung, sich mit dem Thema lieber nicht zu beschäftigen. Wie führt man einen Schwangerschaftsabbruch durch? Welche Methoden gibt es? Ein Thema, das nicht regulär im Studium vorkommt und dass die Mediziner*innen nur lernen, wenn sie sich selbst fortbilden. Und davon gibt es immer weniger – auch, weil sie nicht dem Strafbestand ausliefern wollen. In ganz Niederbayern gibt es einen Gynäkologen, der Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Er ist siebzig Jahre alt und geht nicht in Rente, weil es sonst niemanden mehr gäbe. Und weil das Thema im Studium so ein rotes Tuch ist, gibt es Workshops für Mediziner*innen mit erfahrenen Gynäkolog*innen, bei denen sie die Absaugung mit einer Papaya üben.

Mit einer Papaya. So sieht sie aus – die Ausbildung für die Umsorgung von schwangeren Menschen in verzweifelten Situationen. Also ja, offensichtlich gibt es sogar viele, die bei den Rechten von Tieren kompromissloser sind als bei denen für Menschen mit Uterus – auch in der Politik.

Frankfurter Rundschau: Der Mann hinter den Mahnwachen gegen Abtreibung

Solidarität mit Kristina Hänel, Nora Szász und allen anderen nach § 219a StGB angeklagten Ärzt*innen

Der Organisator steht meistens etwas abseits. Wenn sich die Aktivisten der Initiative „40 Tage für das Leben“ vor der Beratungsstelle von Pro Familia in der Palmengartenstraße postieren, um aus ihrer Sicht das Werk Gottes zu verrichten und Frauen von einer Abtreibung abzuhalten, hält sich der Frankfurter Rechtsanwalt Tomislav Cunovic meist am Rand der Gruppe auf. Manchmal mit einem Marienporträt vor der Brust, sehr oft mit Sonnenbrille. Als gelte es, nicht zu sehr aufzufallen. Der Organisator will, dass seine Botschaft im Mittelpunkt steht, nicht er selbst.

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Hier gibt’s was auf die Ohren

Das Kulturradio vom RBB hat einen Beitrag über unseren Papaya-Workshop  gesendet. Vielen Dank an Vanessa Loewel für ihr Interesse an unserer Arbeit. Den Beitrag könnt ihr euch hier anhören:

Quelle: http://mediathek.rbb-online.de/radio/Zeitpunkte/Medizinstudium-Abtreibungen-werden-kaum/kulturradio/Audio?bcastId=20277254&documentId=52382498

1:0 für Hänel

Von Kristina Hänel, Gießen

Prof. Dr. Thomas Fischer provoziert gerne. Es würde sich nicht lohnen, auf einen reißerischen Artikel zu antworten, wäre Fischer nicht zugleich der Autor des zurzeit am meisten angewandten Strafrechtskommentars der Bundesrepublik. Lange Jahre als Tröndle/Fischer herausgegeben, schied der 1919 geborene Tröndle, ein fanatischer „Lebensschützer“ aus der Autorenschaft aus, so dass Fischer jetzt der Alleinherausgeber dieses auf die deutsche Rechtsprechung einflussreichen Werkes ist. Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass Fischer Jahrgang 1953 ist, damit trennen uns numerisch grade mal drei Jahre. Inhaltlich scheinen es mir mehrere Generationen zu sein. Und dazu kommt natürlich noch der Geschlechtsunterschied.

Herr Fischer beginnt damit, dass ich mich geopfert hätte und demonstrativ habe verurteilen lassen. In vielen Veranstaltungen muss ich denjenigen, die mich inzwischen als Heldin betrachten, entgegenhalten, dass ich mit der Anklage und folgenden Verurteilung nicht gerechnet hatte. Ich habe die Situation nicht provoziert, ich hatte ja schließlich meine Homepage vor 16 Jahren vom Justitiar der Ärztekammer Hessen prüfen lassen. Konnte also davon ausgehen, dass ich rechtmäßig handele, indem ich meine Informationen für Frauen ins Netz stelle. Ich habe sachlich und seriös informiert, wie mir sogar das Amtsgericht Gießen in der Urteilsbegründung attestiert. Zu fragen ist, was bewegt einen Herrn Fischer oder auch einen Robin Alexander in der Zeitung Die Welt, mir zu unterstellen, ich würde bewusst und liebend gerne in eine Opferrolle springen, um damit Macht auszuüben? Welches Frauenbild steckt dahinter? Fest steht, dass ich selbst nie eine Kampagne geführt habe, ich wurde durch die Kampagne der Abtreibungsgegner angegriffen. Was ich allerdings getan habe, ich habe mich dem Angriff gestellt und habe mich entschieden, mich nicht einschüchtern zu lassen, sondern den Skandal öffentlich zu machen. Ich habe begonnen, zu sprechen. Wenn Worte für manche Menschen bedrohlich werden, weil Schweigen verordnet ist, können natürlich auch Worte zur Waffe werden. Darum der Aufschrei derjenigen, denen der Status quo nützt. Die ihre Macht mit allen Mitteln, und seien sie noch so diffamierend, erhalten wollen. Inzwischen ist eine Bewegung entstanden, die auch einzelne ältere Herren nicht mehr werden aufhalten können.

Den eigentlichen Skandal lässt Herr Fischer unerwähnt. Der 219a führt seit Jahren zur Informationshoheit der sogenannten Abtreibungsgegner im Internet. Die Website mit dem unsäglichen Titel Babykaust, die alle Adressen von Ärztinnen und Ärzten, die Abbrüche durchführen, ins Netz stellt, wird mit keinem Wort erwähnt. Der die Leiden der Opfer des Holocaust verhöhnende Auschwitzvergleich interessiert Herrn Fischer nicht. Ebenso wenig glaubt er anscheinend, dass Frauen leiden. Die Tatsache, dass „keine Frau sich die Entscheidung leicht mache“, nennt er eine Behauptung und diese ist seiner Ansicht nach leider falsch. Heißt das, er findet, Frauen machen sich die Entscheidung leicht? Woher will er das wissen? Ebenso ist es seiner Meinung nach leicht, an Adressen zu kommen. Man brauche bloß den Hausarzt fragen.

Für Herrn Fischer ist es keine Tatsache, sondern angeblich Stimmungsmache, dass viele Ärzte keine Adressen weitergeben, ebenso wie Beratungsstellen dies teilweise auch nicht tun. Dass Frauen wieder vermehrt ins Ausland fahren, weil immer weniger Ärztinnen und Ärzte Abbrüche in ihrem Leistungsspektrum anbieten. Dass es für mich wie Hohn klingt, wenn behauptet wird, ich würde für Abbrüche in meiner Praxis werben, nur weil ich möchte, dass Frauen sich vor dem Eingriff über die Risiken, mögliche Komplikationen und Kontraindikationen informieren. Ich brauche keine Werbung, da ohnehin die meisten Frauen aus dem Umland zu mir kommen, weil sie keine andere Anlaufstelle mehr haben. Frau weiß sehr genau, was sie tut, wenn sie zum Abbruch zu mir kommt. Frauen wissen, was gut für sie und ihre Kinder ist. Sie entscheiden sich für den richtigen Weg. Deutschland steht einzig in Europa mit dem sogenannten Werbeparagraphen, der Information verbietet. In Frankreich beispielsweise wurde die Bedenkzeit abgeschafft, es gibt öffentliche Informationen zum Abbruch, der eine Kassenleistung ist.

Nicht immer finde ich die übliche Trockenheit und Sachlichkeit der Justiz erstrebenswert. Im Falle Fischer hätte ich mir genau das gewünscht.

Ein Bericht über unseren Papaya-Workshop

Ein Bericht über unseren letzten Papaya-Workshop von Dinah Riese (taz, 11. Mai 2018):

Die Methoden des Schwangerschaftsabbruchs sind kein Bestandteil des Medizinstudiums an der Charité – Europas größter Uniklinik. Und so üben die angehenden Mediziner*innen den Eingriff in ihrer Freizeit statt in einer Pflichtveranstaltung. An selbst mitgebrachtem Obst und unter der ehrenamtlichen Anleitung erfahrener niedergelassener Ärztinnen. „Lernt, was die Uni euch nicht lehrt“, steht auf den Plakaten, die den Weg in den Seminarraum weisen. Einen Leistungsnachweis erwartet hier niemand.

[…]

Bevor die Studierenden tatsächlich loslegen, erhalten sie einen Crashkurs in der Anatomie des kleinen Beckens – also jenes Teils des Beckens, der Uterus, Eileiter und Eierstöcke beziehungsweise die Prostata beinhaltet – und über die verschiedenen Methoden und Risiken bei Schwangerschaftsabbrüchen.

Es ist bereits das vierte Mal, dass der Workshop in den Räumen der Charité stattfindet. Organisiert hat ihn die Gruppe Medical Students for Choice, die sich für reproduktive Rechte und gegen die strafrechtliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzt. „Wir wollen, dass jede und jeder im Studium sich mindestens einmal grundlegend mit Schwangerschaftsabbrüchen auseinandersetzt und sich eine eigene Meinung dazu bildet“, sagt Alicia Baier. Die Medizinstudentin im neunten Semester hat die blonden Haare zu einem Knoten zusammengebunden, ihr Blick erfasst den ganzen Raum, kontrolliert, ob alles läuft, wie es soll.

Baier hat die Medical Students for Choice Ende 2015 mit gegründet. Jetzt steht sie mit zwei anderen Mitgliedern der Gruppe vor den Studierenden, die sich konzentriert über ihr Obst beugen. Alle drei tragen T-Shirts, auf denen ein stilisierter Uterus seine Eierstöcke in Siegerpose in die Höhe reckt. „Es gibt ein einziges Seminar, in dem der Schwangerschaftsabbruch thematisiert wird“, sagt Baier. Das ist im neunten Semester, und eigentlich geht es um Pränataldiagnostik – also Untersuchungen am Fötus, die unter anderem der Früherkennung von Fehlbildungen oder möglichen Krankheiten oder Beeinträchtigungen dienen. Eine „ungute Verbindung“ nennt sie diese Konstruktion im Curriculum – denn sie suggeriere, dass Behinderung und Abtreibung natürlicherweise zusammengehörten.
Und auch sonst hält Baier diese Lösung für schlicht nicht ausreichend: „Den Lernzielen zufolge sollen wir in diesen 90 Minuten etwas über die Indikationen und Verfahren der Pränataldiagnostik lernen“, sagt Baier. „In den letzten zehn Minuten des Seminars soll es dann um Schwangerschaftsabbrüche gehen, allerdings bloß um deren rechtliche und ethische Aspekte.“ Und selbst dieser Teil falle aus Zeitgründen oft hinten runter, sagt Baier. „Um die Methoden geht es gar nicht.“

[…]

„Eine staatliche Universität kann ja schlecht verpflichtet werden, eine Straftat zu unterrichten“, sagt die Ärztin Gabriele Halder mit einem bitteren Lächeln. Insgesamt werde der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland extrem stiefmütterlich behandelt, auch in der Forschung und in der Weiterbildung. Und so spiele er auch an den Universitäten eine marginale Rolle. „Ob eine angehende Gynäkologin dann in der Facharztausbildung mit dem Eingriff in Kontakt kommt, hängt sehr von der Klinik ab, an die sie kommt.“

[…]

Alicia Baier steht am Rand und beobachtet die Handgriffe ihrer Kommiliton*innen aufmerksam. „Die größte Gefahr ist das Nichtwissen“, sagt sie. „Viele denken, es läuft ja irgendwie, die Versorgung ist ja da. Und wenn es ihnen nicht mal in der Ausbildung begegnet, sehen sie auch keinen Grund, sich mit Schwangerschaftsabbrüchen zu beschäftigen.“ Das hat Folgen: Eine Recherche der taz hat gezeigt, dass immer weniger Ärztinnen und Ärzte bereit sind, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Die Älteren hören nach und nach auf, und es fehlen junge Mediziner*innen, die in deren Fußstapfen treten.

[…]

Das liegt zum einen am Stigma, das dem Schwangerschaftsabbruch immer noch anhaftet – zum anderen daran, dass er in der Ausbildung maximal einen Randaspekt darstellt, glaubt Baier. Sie selbst und die Medical Students for Choice wollen das ändern […].

How the Papaya Workshop came into being

Some of you have already heard a lot about our Papaya-Workshop, where we try to help our fellow-students learn what the Charité doesn’t teach us. Or some of you may have already taken part in one of them.
But how did the Papaya Workshop come into being?
You can find the answer and many other interesting aspects about our work in this article by Nancy Isenson for Deutsche Welle.

In Berlin, Alicia Baier says, abortion doesn’t come up until nearly the end of one’s studies, in the ninth of 12 semesters, and then only in a seminar on prenatal diagnostics.

„Terminating a pregnancy is spoken of within 10 minutes, if you’re lucky,“ she says. „Fellow students have said it didn’t come up at all, because time ran out.“ But the future doctors are expected to be able to discuss the legal and ethical aspects of abortion as well as be aware of the „psychological burden in the societal context.“ Although every woman does not feel burdened, she adds.

In late 2015 Baier began considering starting a group to tackle the deficiency she saw in medical schools. „When I brought it up with fellow students, I often heard: ‚I don’t really know that much about the topic to be able to discuss it, but I don’t have the impression it’s a problem in Germany. Everything is surely well organized.'“

Those attitudes, which she considered dangerous, helped steel her resolve. „Those who become gynecologists will decide for themselves whether they perform terminations,“ she says, „and if they don’t come into contact with it in their studies, don’t have the feeling it is an issue, then they will possibly be more likely to say later: ‚I won’t offer abortions.'“

Papaya workshops
Baier and the other students who now make up Medical Students for Choice at the Charité want medical schools to teach prospective doctors to carry out abortions and for the taboo that surrounds choosing to end a pregnancy to be eliminated.
Papayas are one of their tools.

In hands-on workshops organized by MSfC, gynecologists help med students do abortions on the ersatz uteruses. They practice one of the two most common forms of terminating a pregnancy, vacuum aspiration, using suction to remove the fruits‘ seeds.

„The workshop makes clear that it isn’t an extreme operation, but rather a relatively small and uncomplicated 10-minute intervention,“ Baier says. But there’s another, perhaps more important point to the exercise, she says: „It offers a platform for the students to talk with gynecologists who do abortions themselves.“

Unfortunately though, it is mainly a platform for women at the moment. Few men have been involved with MSfC so far, Baier says. But that is something she would also like to see change. „Men are very welcome.“