Was haben wir bereits erreicht?

Wir haben – auch dank der medialen Aufmerksamkeit, die unsere Arbeit in den letzten Monaten erfuhr – erreicht, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch bis in die höchsten Etagen der Universität vorgedrungen ist. Sowohl in den Abteilungen des Lehrdekanats als auch in den höheren Etagen der Gynäkologie der Charité wird der Schwangerschaftsabbruch nun vermehrt thematisiert. Zwei wichtige Termine haben wir diesen Sommer:

– einmal die Studienausschusssitzung am 24.07., in der es um die Thematisierung im medizinischen Curriculum geht, und

– die Fakultätsleitungssitzung am 23.08., in der es darum geht, ob wir weiterhin die Räume der Charité für unsere Papaya-Workshops nutzen dürfen.

Wir halten Euch auf dem Laufenden!

Änderung des Curriculums an der Charité ab kommendem Wintersemester

Wir haben guten Neuigkeiten: Im Studienausschuss der Charité am 24.08.2018 wurde auf unser studentisches Engagement hin die vermehrte Thematisierung des Schwangerschaftsabbruches ins Curriculum auf die Tagesordnung gesetzt. Zwei Vertreterinnen von MSfC Berlin wurden hierzu als externe Gäste eingeladen. Ansonsten wurde der Tagesordnungspunkt allerdings ausnahmsweise nicht-öffentlich diskutiert.

Ein für die Sitzung am 24.08. schon vorliegender Vorschlag der Universität sah vor, zukünftig die Themen Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch in jeweils eigenen Veranstaltungen zu thematisieren, da es zwar Überschneidungspunkte gibt, aber auch jeweils eigene Aspekte, die nichts mit dem jeweils anderen Thema zu tun haben. Der Vorschlag sah vor, ein neues 90-minütiges Seminar mit dem ungefähren Titel „Rechtliche Voraussetzungen und gesellschaftspolitische Implikationen des Schwangerschaftsabbruchs“ zu implementieren, sowie eine auf das Seminar vorbereitende Online-Vorlesung mit dem ungefähren Titel „Ethische Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs und in der Pränatalmedizin“ (beides im 9. Fachsemester). Auf unsere Bitte, auch die medizinischen Aspekte der Abtreibung pflichtmäßig im Curriuculum zu verankern (also die Vorstellung der beiden Methoden inklusive ihres Ablaufes, ihrer jeweiligen Indikationen und Nebenwirkungen), wurde im Protokoll festgehalten, dass dies in einer schon vorhandenen Vorlesung namens „Notfall Unterbauchschmerz“ passieren wird (ebenfalls im 9. Fachsemester). Wir sind mit dem Titel dieser Vorlesung nicht zufrieden, da er impliziert, dass Schwangerschaftsbrüche immer Notfälle sind sowie zwangsläufig mit Schmerzen verbunden. Wir hoffen, am Titel der Vorlesung noch etwas verändern zu können. Dennoch ist es erstmal ein Fortschritt, dass die medizinischen Aspekte überhaupt vorkommen werden.

Am Ende der Sitzung wurde über die hier genannten Vorschläge abgestimmt und sie wurden ohne Gegenstimme angenommen.

Insgesamt sind wir froh und stolz, dass unsere Arbeit einen Effekt hinsichtlich des Curriculums zeigt, und freuen uns darüber, dass unsere Universität auf unsere Forderungen reagiert hat. Schon ab kommendem Wintersemester (2018/2019) sollen die neuen Veranstaltungen beginnen. Natürlich werden wir die Vorgänge genau beobachten und auch überprüfen, inwiefern die Veranstaltungen inhaltlich umgesetzt werden. Das neue Seminar wird aus budgetären Gründen weiterhin von den Instituten betrieben, die vorher das Seminar zur Pränataldiagnostik veranstalteten – nämlich die Institute Medizinische Psychologie, Geburtshilfe und Humangenetik. Diese Institute werden auch die Dozenten und Dozentinnen stellen, die das Seminar halten werden. Insofern bleibt abzuwarten, wie der Schwerpunkt im Seminar gesetzt werden wird. Wir hoffen, dass eine tatsächliche Trennung von der Pränataldiagnostik stattfinden und der Fokus auf Abtreibungen nach Fristenlösung in den ersten 12 bzw. 14 Schwangerschaftswochen liegen wird – den diese machen bekanntlich über 90% der Abtreibungen in Deutschland aus.

Wir hoffen, dass dies Medizinstudierende anderer Fakultäten in Deutschland oder sogar Europa dazu ermutigt, sich ebenfalls für eine gründlichere Thematisierung im Curriculum einzusetzen. Wir Studierenden haben mehr Einfluss, als wir manchmal denken!