Was haben wir bereits erreicht?

Wir haben – auch dank der medialen Aufmerksamkeit, die unsere Arbeit in den letzten Monaten erfuhr – erreicht, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch bis in die höchsten Etagen der Universität vorgedrungen ist. Sowohl in den Abteilungen des Lehrdekanats als auch in den höheren Etagen der Gynäkologie der Charité wird der Schwangerschaftsabbruch nun vermehrt thematisiert. Zwei wichtige Termine hatten wir diesen Sommer:

1. die Studienausschusssitzung am 24.07., in der es um die Thematisierung im medizinischen Curriculum geht, und

2. die Fakultätsleitungssitzung am 23.08., in der es darum geht, ob wir weiterhin die Räume der Charité für unsere Papaya-Workshops nutzen dürfen.

Im Folgenden könnt ihr die Berichte über diese beiden wichtigen Treffen und ihren Ausgang nachlesen:

1. Änderung des Curriculums an der Charité ab dem Sommersemester 2019

Wir haben guten Neuigkeiten: Im Studienausschuss der Charité am 24.08.2018 wurde auf unser studentisches Engagement hin die vermehrte Thematisierung des Schwangerschaftsabbruches ins Curriculum auf die Tagesordnung gesetzt. Zwei Vertreterinnen von MSfC Berlin (Caroline Gabrysch und Alicia Baier) wurden hierzu als externe Gäste eingeladen. Ansonsten wurde der Tagesordnungspunkt allerdings ausnahmsweise nicht-öffentlich diskutiert. Anwesend waren ansonsten der Studienausschussvorsitzende Prof. Möckel, das Prodekanat für Lehre mit Prof. Spranger und Prof. Kuhlmey, sowie weitere Professor*innen und Modulverantworliche der verschiedenen Module des Curriculums.

Ein für die Sitzung am 24.08. schon vorliegender Vorschlag der Universität sah vor, zukünftig die Themen Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch in jeweils eigenen Veranstaltungen zu thematisieren, da es zwar Überschneidungspunkte gibt, aber auch jeweils eigene Aspekte, die nichts mit dem jeweils anderen Thema zu tun haben. Der Vorschlag sah vor, ein neues 90-minütiges Seminar mit dem ungefähren Titel „Rechtliche Voraussetzungen und gesellschaftspolitische Implikationen des Schwangerschaftsabbruchs“ zu implementieren, sowie eine auf das Seminar vorbereitende Online-Vorlesung mit dem ungefähren Titel „Ethische Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs und in der Pränatalmedizin“ (beides im 9. Fachsemester). Auf unsere Bitte, auch die medizinischen Aspekte der Abtreibung pflichtmäßig im Curriuculum zu verankern (also die Vorstellung der beiden Methoden inklusive ihres Ablaufes, ihrer jeweiligen Indikationen und Nebenwirkungen), wurde im Protokoll festgehalten, dass dies in einer schon vorhandenen Vorlesung namens „Notfall Unterbauchschmerz“ passieren soll (ebenfalls im 9. Fachsemester). Wir sind mit dem Titel dieser Vorlesung nicht zufrieden, da er impliziert, dass Schwangerschaftsbrüche immer Notfälle sind sowie zwangsläufig mit Schmerzen verbunden. Wir hoffen, am Titel der Vorlesung noch etwas verändern zu können. Es ist leider auch noch nicht klar, inwieweit die medizinischen Aspekte tatsächlich verstärkt vorkommen werden. Daher müssen wir dies sorgsam weiter beobachten.

Am Ende der Sitzung wurde über die hier genannten Vorschläge abgestimmt und sie wurden ohne Gegenstimme angenommen.

Insgesamt sind wir froh und stolz, dass unsere Arbeit einen Effekt hinsichtlich des Curriculums zeigt, und freuen uns darüber, dass unsere Universität auf unsere Forderungen reagiert hat. Ab dem Sommersemester 2019 sollen die neuen Veranstaltungen beginnen. Natürlich werden wir die Vorgänge genau beobachten und auch überprüfen, inwiefern die Veranstaltungen inhaltlich umgesetzt werden. Das neue Seminar wird aus budgetären Gründen weiterhin von den Instituten betrieben, die vorher das Seminar zur Pränataldiagnostik veranstalteten – nämlich die Institute Medizinische Psychologie, Geburtshilfe und Humangenetik. Diese Institute werden auch die Dozenten und Dozentinnen stellen, die das Seminar halten werden. Insofern bleibt abzuwarten, wie der Schwerpunkt im Seminar gesetzt werden wird. Wir hoffen, dass eine tatsächliche Trennung von der Pränataldiagnostik stattfinden und der Fokus auf Abtreibungen nach Fristenlösung in den ersten 12 bzw. 14 Schwangerschaftswochen liegen wird – den diese machen bekanntlich über 90% der Abtreibungen in Deutschland aus. Außerdem hoffen wir, dass auch die medizinischen Aspekte einen angemessenen Raum im Medizinstudium einnehmen werden.

Wir hoffen, dass dies Medizinstudierende anderer Fakultäten in Deutschland oder sogar Europa dazu ermutigt, sich ebenfalls für eine gründlichere Thematisierung im Curriculum einzusetzen. Wir Studierenden haben mehr Einfluss, als wir manchmal denken!

2. Kein Raumverbot für die Papaya-Workshops!

Hier berichten wir über den Ausgang unserer Begegnung mit der Fakultätsleitung der Charité am 23.08.2018, bei der es um die Frage ging, ob die Charié uns weiterhin die Räume für die Workshops zur Verfügung stellen wird.

Anwesend waren:

  • Prof. Axel Pries, Dekan der Charité
  • Prof. Joachim Spranger, Prodekan für Lehre der Charité
  • Prof. Adelheid Kuhlmey, stellvertretende Prodekanin für Studium und Lehre
  • Prof. Jens-Uwe Blohmer, Klinikdirektor Gynäkologie Charité Mitte und Benjamin Franklin
  • Prof. Christian Hagemeier
  • Prof. Frank Heppner
  • Alicia Baier, Vertreterin für die Medical Students for Choice Berlin

Auf den Wunsch der AG MSfC hin ebenfalls eingeladen und anwesend waren:

  • Dr. Julia Bartley, Gynäkologin und Unterstützerin der Papaya-Workshops
  • Dr. Gabriele Halder, Gynäkologin und Mitveranstalterin der Papaya-Workshops
  • Dr. Christine Kurmeyer, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Charité
  • Dr. Susanne Michl, Medizinethikerin der Charité

Zuerst wurde in einer 10-minütigen Präsentation vonseiten der MSfC der Papaya-Workshop vorgestellt. Hier wurde nach einer kurzen Vorstellung der AG der typische Ablauf eines Workshops dargelegt: 15-minütiger Anatomie–Crashkurs durch Studierende der MSfC, danach ca. 45-minütiger theoretischer Vortrag durch die Gynäkologinnen mit Input zu rechtlicher und gesellschaftspolitischer Situation sowie Ablauf, Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen des medikamentösen und des chirurgischen Schwangerschaftsabbruches; anschließend die praktische Phase, ca. 45-minütig, während derer die Vakuumaspiration am Papaya-Modell in Kleingruppen stattfände, wobei ein Betreuungsschlüssel von ca. fünf Studierenden auf eine Gynäkologin vorläge. Es wurde anschließend angesichts der im Vorhinein an die Gruppe herangetragenen Zweifel vonseiten einiger Gynäkologen, ob die Papaya ein adäquates Modell sei, vor allem betont, warum gerade das praktische Tun und das Üben an der Papaya unbedingt beibehalten werden müsse. Es fördere den Wissenszuwachs deutlich mehr, als wenn ausschließlich ein frontaler, theoretischer Vortrag gehalten werde. Außerdem biete der Praxisteil die Möglichkeit auf niedrigschwellige Weise mit den Gynäkologinnen in Kontakt zu treten. Auch entspräche dies dem praxisorientierten Geist des Modellstudienganges. Zuletzt wurde deutlich gemacht, dass der Andrang sehr groß und das Feedback bisher sehr gut sei. Aufgrund der großen Nachfrage führe die AG
Wartelisten. Sie hoffe, weiterhin die Räume der Charité benutzen zu dürfen, so wie andere ehrenamtliche AGs dies auch dürften. Die AG sei außerdem an einer Zusammenarbeit mit der Gynäkologie der Charité interessiert.

Im Folgenden geben wir das Treffen angelehnt an das im Nachhinein von der Protokollantin verschickte Protokoll wider:
Prof. Spranger merkte an, dass er den Papaya-Workshop als ein gutes Angebot einschätze, was auch durch die hohe Nachfrage bestätigt werde; auch Prof. Sehouli empfehle grundsätzlich die Fortsetzung. Prof. Spranger gab weiterhin an es für sinnvoll zu halten, über eine Änderung des Titels des Workshops („Papaya-Workshop“ nachzudenken, da dieser von verschiedenen Seiten als Provokation und Verharmlosung empfunden werden könne. Die Fakultätsleitung unterstütze entsprechend eine neue Bezeichnung des Workshops.

Prof. Blohmer bemerkte, dass die Klinik für Gynäkologie den Workshop als sinnvolle Ergänzungen der curricularen Ausbildung einschätze und sich gerne an einer Integration der Inhalte des Workshops in andere Ausbildungsinhalte der operativen Gynäkologie beteiligen sowie dazu auch Ressourcen zur Verfügung stellen werde, wenn der damit verbundene Mehraufwand durch die Fakultät aufgefangen werde. An dem Papaya-Workshop selbst werde sich die Klinik zwar nicht beteiligen, allerdings stehe es deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jederzeit frei, sich außerhalb der Arbeitszeit in diesem Workshop einzubringen. Eine Genehmigung durch die Klinikleitung sei dafür nicht erforderlich, gleichwohl könne aber auch keine Freistellung gewährt werden. (…) Frau Dr. Halder merkte an, dass eine Beteiligung von Oberärztinnen oder Oberärzten der Klinik für Gynäkologie gerade vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Aktualität des Themas aufgrund der damit demonstrierten Unterstützung hilfreich sei. Prof. Blohmer verwies erneut darauf, dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik die Beteiligung außerhalb der Dienstzeiten freistehe.
Außerdem biete er an, die Organisatorinnen des Workshops zu einer morgendlichen Fortbildung der Klinik für Gynäkologie einzuladen und so auch im Mitarbeiter*innenkreis auf die Thematik aufmerksam zu machen.

Insgesamt befürworte die Fakultätsleitung das ehrenamtliche Engagement der Studierenden zu dieser gesellschaftlich wichtigen Thematik sowie die ausgewogene und inhaltlich gute Aufbereitung im Workshop. Sie sähe zum jetzigen Zeitpunkt keine rechtlichen Hindernisse dafür, die Durchführung des Workshops auch weiterhin durch die Überlassung von Räumlichkeiten zu unterstützen. Die Fakultätsleitung bittet jedoch die Leitung der Klinik für Gynäkologie darum, die Inhalte des Workshops mit Blick auf eventuelle rechtliche Risiken zu prüfen und der Fakultätsleitung dazu zeitnah zu berichten.

Wir, die Medical Students for Choice, freuen uns darauf bald mit Prof. Blohmer in Kontakt treten zu können, um uns und den Workshop den Gynäkolog*innen aus Charité Mitte vorstellen zu dürfen. Wie Dr. Halder finden auch wir, dass es ein positives Zeichen vonseiten der Gynäkologie der Charité wäre, wenn einige von deren Ärzt*innen mit uns kooperieren würden. Wir finden es allerdings schade, dass es hierfür keine Freistellung von Seiten der Klinikleitung geben kann.