Ziel ist es, Schwangerschaftsabrüche zu verunmöglichen, sowohl von der Zugänglichkeit als auch von der Vorstellbarkeit her, dass sie eine gute, vertretbare Lösung für bestimmte Probleme sind.

Kirsten Achtelik und Eike Sanders im Interview mit Der Freitag.

Hier ein paar interessante Auszüge, um euch neugierig auf mehr zu machen:

Der Freitag: Was machen „Lebensschützer_innen“?

Kirsten Achtelik: In erster Linie setzen sie Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten, und Frauen im Allgemeinen unter Druck. Ziel ist es, Schwangerschaftsabrüche zu verunmöglichen, sowohl von der Zugänglichkeit als auch von der Vorstellbarkeit her, dass sie eine gute, vertretbare Lösung für bestimmte Probleme sind.

Eike Sanders: Sie betreiben auch Gehsteigberatung, oder eher: Gehsteigbelästigung. Sie stehen vor den Praxen und Beratungsstellen. Sie zeigen übergroße Bilder von Föten, die im Fruchtwasser schwimmen und am Daumen nuckeln. Und es wird eine Art Psychoterror betrieben: „Willst du wirklich Mörderin werden?“

Seit wann gibt es sie und aus welchem Milieu rekrutieren sie sich?

Sanders: Wir beobachten die Bewegung schon lange, als Teil einer im Weitesten gefassten konservativen bis extremen Rechten – CDU und rechts davon. Sie sind seit den 70ern präsent. Protagonisten sind etwa die „Aktion Lebensrecht für Alle“, Teile der Kirchen, vor allem der katholischen, evangelikale Gemeinden, Freikirchen. Im Parteienspektrum sind es die Christdemokraten für das Leben. Mit der AfD ist ein Player hinzugekommen. Teile der Neuen Rechten beteiligen sich über ihre Publikationsorgane. Die Junge Freiheit featurt zum Beispiel regelmäßig den „Marsch für das Leben“. Sie arbeiten sich am Thema Schwangerschaftsabbrüche ab, verbinden es aber auch mit Antifeminismus und Sexualmoral. Lebensweltlich ist diese Bewegung ganz klar christlich fundamentalistisch geprägt.

Achtelik: Die „Lebensschutz“-Bewegung war immer eine Gegenbewegung zum Feminismus. Sie hat sich explizit so gegründet, als die Frauenbewegung erste Erfolge bei ihren Forderungen für das Recht auf Abtreibung und reproduktive Rechte verbuchen konnte. Sie richtet sich gegen das Ideal einer Gesellschaft, in der das Begehren so weit wie möglich ermöglicht werden soll, statt eingeschränkt, weil das angeblich dem Glauben widerspricht. Da ist eine Kampflinie.

Viele glauben, dass Abtreibung in Deutschland legal ist.

Achtelik: Der Paragraf 218 steht im Strafgesetzbuch. Schwangerschaftsabbrüche sind strafbar und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. Woher das Nichtwissen kommt, ist schwer zu sagen. Eine Ursache ist, dass Abtreibungen immer noch tabuisiert sind. Ich erinnere mich an eine 8.-März-Demo Mitte der nuller Jahre, da war ich mit einer Freundin mit einem „Smash 218“-Transpi unterwegs. Wir sind von einigen angesprochen worden, die noch nie von dem Gesetz gehört hatten. Das ist sicher auch eine Generationenfrage, für die Feministinnen der 70er war das zentral, die jüngere Generation hat sich nach dem queer-feministischen turn lange mit anderen Fragen beschäftigt.

Bei der Bundestagsdebatte um Paragraf 219a klangen Union und AfD fast gleich.

Sanders: Klar, das Wording von Union und AfD ist in Teilen gleich, aber es ist das Vokabular der „Lebensschutz“-Bewegung: Die Frau unsichtbar machen, nur davon reden, dass eine befruchtete Eizelle gleich ein Kind, gleich ein ungeborener Mensch sein soll, das ist das, was diese Bewegung schon immer gemacht hat.

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