Am 28.09.26, kommenden Montag, findet wieder der alljährliche “International Safe Abortion Day “statt. Ursprünglich diete das Datum der Erinnerung eines in 1871 in Brasilien erlassenen Gesetztes der “freien Geburt”, das den Kindern versklavter Menschen die Freiheit garantierte. Heute finden sich an diesem Tag auf der ganzen Welt Menschen zusammen, die die politische, soziale und auch immer noch rechtliche Schieflage des Schwangerschaftsabbruchs sichtbar machen wollen. Getragen wird dies von vielen internationale, nationalen und auch regionalen Organisationen.
Auch in Deutschland sind kommenden Montag über 83 Aktionen in allen 16 Bundesländern geplant. Warum es wichtig ist, dabei zu sein, wie du auch mitmachen und ein Zeichen setzen kannst, erfährst du in diesem Artikel.
Noch immer steht der Schwangerschaftsabbruch seit der Reichsgründung 1871 im Strafgesetzbuch unter Artikel 218. Unzureichende Versorgung, vor allem in ländlicheren Gebieten, Entmündigungen von hilfesuchenden, gebährfähigen Menschen, finanzielle Hürden von mehr als 300 bis 600 Euro pro Eingriff, als auch gesellschaftliche Stigmatisierung sind alles Punkte, die Paragraph 218 stark begünstigt. International wurde Deutschland dementsprechend mehfach von der WHO und dem Europarat abgemahnt. Im Vergleich zu anderen Nationen ist die Gesetzlage unseres Landes antiquiert. Darum ist es auch wichtig, sich allerorts in Deutschland für eine Entkriminalisierung einzusetzen. Wir fordern: WEG MIT DEM PARAGRAPHEN 218 AUS DEM StGB!
Auch angesichts der immer stärker werdenden, rechtsextremen, antifeminstischen Ansichten, die einen starken Gebärzwang auf gebährfähige Menschen ausüben, ist es zivilgesellschaftlich notwendig, sich sichtbar öffentlich dagegen zu positionieren. Und ganz wichtig: Nur weil man selbst nicht betroffen ist, kann man sich dennoch für Rechte, die schlussendlich die Hälfte der Bevölkerung betreffen, einsetzen und teil der Bewegung sein.
Erst vergangene Woche wurde in Berlin den ebenfalls alljährlichen “Marsch des Lebens” von dem Bundesverband Lebensrecht e.V. organisiert, welcher überparteilich und überkonfessionell durchgeführt wurde und sich “für das Leben” aussprechen würde. Vor allem christlich fundamentalistisch motivierte Menschen berufen sich auf ihren Glauben, wenn es darum geht, eine ganz persönlich, emotionale, und auch sehr private, intime Angelegenheit einer Frau politisch zu limitieren. Das Hauptargument, Leben schützen zu wollen, spielt dabei eher in die Hände unserer Ansichten und der Forderungen des “safe abortion days”. Die sichere Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen und deren legalen, niedrigschwelligen Zugang schützt in der Tat Leben. Und zwar das Leben der würdetragenden Mutter mit dem Recht, über ihre eigenen organischen Eingeweide zu entscheiden. Dies nicht zu dürfen, absichtlich institutionell den Zugang zu medizinischer Versorgung zu erschweren und gebfährfähige ungewollte Schwangere eine Geburt aufgrund von persönlichen Glaubensansätzen aufzuzwängen, ist für Betroffene nicht nur seelisch hoch traumatisch, sondern auch auf der physischen Ebene gleichzusetzen mit einer Folterung.
Der 28.09. gibt uns als öffentlich anerkannter Tag den Rahmen, auf all diese Misstände vehementer aufmerksam zu machen. Wir fordern die Entkriminalisierung, deutlich besseren Zugang zu der medizinischen Behandlung und die Aufnahme der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen in die Lehre.
Informationen, wie und wo es Angebote am 28.09.26 gibt und wie man selbst daran teilnehmen oder sogar eine lokale Aktion starten kann, findet man auf der offiziellen Website unter “safeabortionday.de”. Von Kundegebungen, Demonstrationen, zu Lesungen, Workshops, öffentliche Reden, Ausstellungen, dem Aushängen von Kleiderbügeln oder das Anstrahlen eines Gebäudes in lila ist alles dabei. Auch wir als medical students for choice wollen euch dazu motivieren und aufrufen, daran teilzunehmen. Auch ganz kleine Aktionen in einem lokalen Rahmen sind total stark, lobenswert und sichtbar.