Brief an die Justizministerin Katarina Barley zur Streichung von § 219a StGB

Weshalb wir die ersatzlose Streichung fordern!

Liebe Unterstützer*innen,

wir haben einen offenen Brief an die Justizministerin Katarina Barley geschrieben und wir hoffen, dass wir einige von euch davon überzeugen können, diesen Brief unterschrieben an unsere Justizministerin zu schicken und ihn in den sozialen Medien zu teilen. Wir erinnern durch diesen Brief an unsere Forderung § 219a ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch zu streichen, um der Kriminalisierung von Ärzt*innen, die über Schwangerschaftsabbrüche sachlich informieren, endlich ein Ende zu setzen. Dieses Anliegen ist uns wirklich sehr wichtig. Unsere Bündnispartnerin Stephanie Mia Schwanz hat den Brief in Zusammenarbeit mit uns verfasst und würde sich ebenfalls über eure Unterstüzung freuen. Je mehr Menschen mitmachen, desto besser!

Die Postanschrift lautet:

Dr. Katarina Barley Bundesministerium der Justiz und für Verbraucher*innenschutz 11015 Berlin

Hier unsere Briefvorlage für euch zum Rauskopieren:

Liebe Justizministerin Dr. Katarina Barley,

Wir Aktivist*innen, Bürger*innen, Jurist*innen, Mediziner*innen, Politiker*innen, Student*innen, wir die uns für eine ersatzlose Streichung des § 219a aus dem Strafgesetzbuch vielfältig, kreativ und ausdauernd seit über einem Jahr einsetzen, schreiben Sie als Justizministerin, die bis Herbst einen Kompromissvorschlag angekündigt hat, an. Wir sind die Vielen, die gerade auf Sie hoffnungsvoll schauen.

Wir können keinen Kompromiss akzeptieren, denn der Kompromiss wird auf dem Rücken unserer körperlichen Integrität und Selbstbestimmung ausgetragen!

Wir skandalisieren die Anklagen gegen die Ärztinnen, die angefeindet und angezeigt werden, weil ein Wort auf ihren Homepages 100 Jahre nach Einführung des Wahlrechts für Frauen* steht: SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH!

Wie oft sollen wir noch auf die Straße gehen, während Frauen* und schwangere Personen gerade nach sachlichen Informationen im Internet suchen und auf nicht sachliche Informationen stoßen und schmerzhaft erkennen müssen, wie bevormundet und eingeschränkt sie dabei werden und feststellen müssen, dass sie sich in keiner für sie politisch gewollten Unterstützung wiederfinden?!

Wie laut sollen wir noch werden, während Ärztinnen, die nach § 219a StGB angezeigt oder bereits verurteilt wurden, die Arbeit der Regierung der Großen Koalition übernehmen und bereit sind den Weg auf eigene Kosten bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen, damit sich unsere Situation verbessert?!

Schwangerschaftsabbrüche gehören zu unserem Leben.

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die uns wie mündige Bürger*innen behandelt und uns unsere Menschenrechte nicht länger verwehrt. Wir wissen selbst, was gut für uns ist und unser Kampf um reproduktive Rechte, sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit zeigt uns, dass wir immer noch abgewertet, diskriminiert und stigmatisiert werden.

Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen und sachlich informieren, Frauen* und schwangere Personen werden durch § 218, § 218a, § 218b, § 218c und § 219, § 219a sowie § 219b StGB – nach den Straftatbeständen Mord und Totschlag im Strafgesetzbuch verankert – immer noch bevormundet und in ihrer Informationsfreiheit eingeschränkt. Uns wird durch dieses Konstrukt immer noch abgesprochen, dass wir selbst über unsere Körper entscheiden können.

Wie lange wird uns der Mythos der Gleichberechtigung noch erzählt?

Wir wissen, dass Frauen* rechtlich immer noch nicht gleichberechtigt sind und deshalb schauen wir auf Sie und wir vertrauen darauf, dass Sie uns im Winter nichts weniger als die ersatzlose Streichung des § 219a StGB verkünden werden!

Von Herzen kommend und zuversichtlich,

WIR UNTERSTÜTZEN:

MSFC

Natürlich unterstützen wir unsere Mutter-Organisation Medical Students for Choice und bedanken uns herzlich für ihre Unterstützung!

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Kristina Hänel

Außerdem erklären wir uns solidarisch mit Kristina Hänel und damit repräsentativ mit allen Ärzt*innen, die nach § 219 a StGB verurteilt wurden. Daher verweisen wir hier auch auf die Seite ihres Unterstützerkreises für aktuelle Informationen zu ihrem Fall.

25299060_511278739253388_3108974226872068392_nFoto: privat

Frau Hänel war die ausschlaggebende Anregung dafür, diese Homepage zu erstellen. Daher gilt unser ausdrücklicher Dank ihr und ihrem Engagement auch für uns als Medizinstudierende und damit potentielle zukünftige Gynäkolog*innen.

BIFE Gyn

Wir unterstützen die Berliner Initiative Frauengesundheit Endokrinologie Gynäkologie, die sich dafür einsetzt, dass die Fachbereiche Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie wieder an den Universitäten eingeführt werden. Auch an der Charité, dem größten Uni-Klinikum Europas, fehlt dieser Lehrstuhl für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie. Dies führt dazu, dass dieser wichtige, fächerübergreifende Themenkomplex zu hormonellen Aspekten der Frauengesundheit in der Medizin  uns  und unseren Kommiliton*innen nicht ausreichend vermittelt wird. Eine Kritik zur Situation der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin findest Du hier.

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Wir unterstützen das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, insbesondere seine Kampagne Weg mit 219a, in der es das Recht auf Information zum Schwangerschaftsabbruch fordert. An dieser Stelle möchten wir dem Bündnis für die produktive Zusammenarbeit im Zuge dieser Kampagne danken und die tolle Arbeit, die es  für die Aufklärung über das Thema Schwangerschaftsabbruch und auch über andere medizin-relevanten Themen leistet!

bannerPortraaitsFoto: © Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung; Sabrina Gröschke/Unsplash

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Auch die Aktivist*innen von Dziewuchy Berlin und Berlin-Ireland Pro Choice Solidarity werden von uns unterstützt. Wie sie erklären wir uns solidarisch mit den Menschen in Polen und Irland, die gegen restriktive Abtreibungsgesetze kämpfen.

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Die Frauengruppe von Ciocia Basia kann sich unserer Solidarität sicher sein. Sie unterstützen Menschen aus Ländern, in denen Abbrüche illegal sind. Sie stellen Kontakte zu Berater*innen und Ärzt*innen her.

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Women Help Women ist eine internationale Gruppe von Aktivist*innen, Berater*innen und NGOs, die Menschen besseren Zugang zu sachlichen Informationen, Verhütungsmitteln und Abbrüchen geben möchte.

Women on Waves

Women On Waves ist eine NGO, die ungewollt Schwangeren in wow_logo_container.tif(mediaclass-base-media-preview.d2c518cc99acd7f6b176d3cced63a653791dedb3)Ländern hilft, in denen Schwangerschaftsabbrüche illegal sind und die sonst keinen Zugang zu sicheren Abbrüchen hätten. Mobil durch ein eigenes Schiff versorgen sie Betroffene mit Informationen, Medikamenten, Workshops und Verhütungsmitteln. Ihr Ziel ist es Frauen insbesondere in ihren Menschenrechten wie körperlicher und geistiger Selbstbestimmung zu bestärken.