Medienecho

Hier findet ihr Artikel, in denen wir erwähnt wurden, und Interviews mit uns:

Redebeitrag beim Flashmob vor dem Bundestag

des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung vom 22. Februar 2018

 

Tabuthema: Warum deutsche Medizin-Studenten Abtreibungen an Papayas üben

– von Sarah Stendel (Neon-Magazin, 11. März 2018):

„An der Uni wird zum Tabuthema Schwangerschaftsabbruch nicht viel gelehrt. Medizin-Studenten aus Berlin wollen die Abtreibung jetzt aus der Schmuddelecke holen. Mit einem Papaya-Workshop.“

 

Der lange Weg zur Abtreibung

– von Dinah Riese (taz, 08. März 2018):

In der medizinischen Ausbildung spielen Schwangerschaftsabbrüche kaum eine Rolle. Das ist wenig verwunderlich – denn wie soll eine Straftat an einer staatlichen Universität gelehrt werden? „Wir lernen im Medizinstudium nichts über die Methoden und Verfahren zum Schwangerschaftsabbruch“, sagt die Medizinstudentin Elisa Tackmann. Sie ist Teil der Gruppe Medical Students for Choice an der Charité in Berlin.

Dort gibt es im neunten Semester eine 90-minütige Pflichtveranstaltung, in der es um Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch geht. In den festgelegten Lernzielen dieser Einheit heißt es, die Studierenden sollen „typische Indikationen und die derzeit angewendeten Verfahren“ der Pränataldiagnostik erläutern können – und die „rechtlichen und ethischen Aspekte“ des Schwangerschaftsabbruchs. Außerdem sollen sie für die durch einen Abbruch entstehende „psychische Belastung im gesellschaftlichen Kontext“ sensibilisiert werden. Zum medizinischen Vorgehen dagegen: kein Wort. Auch in der Facharztausbildung lerne man den Eingriff nicht unbedingt, sagt Tackmann. „Die Ausbildung absolviert man im Krankenhaus. Abbrüche lernt man also nur, wenn sie an diesem Krankenhaus auch gemacht werden.“

 

Junge Ärzte fordern: „Lehre über Abtreibung MUSS besser werden!“

– von Susanne Schumann (Brigitte, 04. April 2018):

Was vielen aber weniger bewusst ist: Auch angehende Ärzte werden während des Studiums nicht gerade mit Infos über den Eingriff zugeschüttet. An einigen Unis fällt das Thema fast vollständig unter den Tisch.

In unserer Hauptstadt hat eine Gruppe von Studenten deshalb die Initiative „Medical Students For Choice Charité Berlin“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Die Lehre über den Schwangerschaftsabbruch verbessern!

„Im 21. Jahrhundert gehört das Thema Schwangerschaftsabbruch nicht mehr in die Tabuzone, insbesondere nicht bei angehenden Ärzten und Ärztinnen“, sagt Medizinstudentin und Aktivistin Amelie Kolandt. Ausgerechnet an der Charité Berlin werde das Thema geradezu stiefmütterlich behandelt. Allein in einem Seminar zur „Pränataldiagnostik“ kommen Abtreibungen laut Kolandt vor, wobei die medizinischen Aspekte nur behandelt werden, wenn Studierende danach fragen oder die Dozenten besonders engagiert sind.

In ihrer Not veranstalten die Berliner Studenten sogar selbst Vorträge und Seminare. Bezeichnend: Um zu lernen, wie sie den Eingriff in der Praxis durchführen, üben sie ihn an Papayas.

 

Pro Choice: Wieso wird es Frauen so schwer gemacht?

– Deutschlandfunk Nova Eine Stunde Talk mit Sven Preger (vom 11. April 2018)

Elisa und Marie sind bei den „Medical Students for Choice“ aktiv. Sie setzen sich dafür ein, dass Frauen beim Thema Abtreibung endlich die Wahl bekommen.

„Das Thema ist selbst im Freundeskreis ein Tabu“, sagt Elisa Tackmann. Über Abtreibungen redet kaum jemand. Auch unter engen Freunden und Freundinnen ist die Angst groß, stigmatisiert zu werden. „Deshalb brauchen wir eine breitere öffentliche Debatte“, fordert Elisa. Sie studiert Medizin in Berlin. Dort ist an der Charité das einzige deutsche Chapter der Medical Students for Choice (msfc) angesiedelt. Seit 2015 besteht die Gruppe, Elisa ist seit Anfang an mit dabei. Regelmäßig treffen sich ein paar Studentinnen. Keine Männer. „Darüber sind wir auch enttäuscht“, sagt Elisa.

Die einzige Nicht-Medizinerin ist Marie Römer. Sie studiert Anthropologie und wollte zu Schwangerschaftsabbrüchen forschen. So hat sie zu msfc gefunden. „Wir brauchen zum Beispiel eine Plattform, auf der wir Erfahrungen austauschen können“, sagt sie. Das versucht msfc zu ermöglichen, indem zum Beispiel auch Ärztinnen und Ärzte eingeladen werden, die Abtreibungen durchführen.

Dazu gehört auch Kristina Hänel. Sie wurde im November 2017 vom Gießener Amtsgericht zu einer Strafe von 6000 Euro verurteilt. Sie hatte auf ihrer Homepage Infomaterialien über Schwangerschaftsabbrüche bereitgestellt – ein Verstoß gegen das sogenannte Werbeverbot.

In Eine Stunde Talk erzählen Elisa und Marie, was sie von der gesellschaftlichen Debatte halten, was sich dringend ändern muss und was in den Papaya-Workshops stattfindet.

 

Besonders geehrt fühlen wir uns, dass

DocCheck

am 10. Mai 2018 einen Artikel über uns veröffentlicht hat.

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Germany’s medical system sidelines abortion

– von Nancy Isenson (Deutsche Welle 11. Mai 2018):

Some of you have already heard a lot about our Papaya-Workshop, where we try to help our fellow-students learn what the Charité doesn’t teach us. Or some of you may have already taken part in one of them.
But how came the Papaya Workshop into being?
You can find the answer and many other interesting aspects about our work in this article by Nancy Isenson for Deutsche Welle.

In Berlin, Alicia Baier says, abortion doesn’t come up until nearly the end of one’s studies, in the ninth of 12 semesters, and then only in a seminar on prenatal diagnostics.

„Terminating a pregnancy is spoken of within 10 minutes, if you’re lucky,“ she says. „Fellow students have said it didn’t come up at all, because time ran out.“ But the future doctors are expected to be able to discuss the legal and ethical aspects of abortion as well as be aware of the „psychological burden in the societal context.“ Although every woman does not feel burdened, she adds.

In late 2015 Baier began considering starting a group to tackle the deficiency she saw in medical schools. „When I brought it up with fellow students, I often heard: ‚I don’t really know that much about the topic to be able to discuss it, but I don’t have the impression it’s a problem in Germany. Everything is surely well organized.'“

Those attitudes, which she considered dangerous, helped steel her resolve. „Those who become gynecologists will decide for themselves whether they perform terminations,“ she says, „and if they don’t come into contact with it in their studies, don’t have the feeling it is an issue, then they will possibly be more likely to say later: ‚I won’t offer abortions.'“

Papaya workshops
Baier and the other students who now make up Medical Students for Choice at the Charité want medical schools to teach prospective doctors to carry out abortions and for the taboo that surrounds choosing to end a pregnancy to be eliminated.
Papayas are one of their tools.

In hands-on workshops organized by MSfC, gynecologists help med students do abortions on the ersatz uteruses. They practice one of the two most common forms of terminating a pregnancy, vacuum aspiration, using suction to remove the fruits‘ seeds.

„The workshop makes clear that it isn’t an extreme operation, but rather a relatively small and uncomplicated 10-minute intervention,“ Baier says. But there’s another, perhaps more important point to the exercise, she says: „It offers a platform for the students to talk with gynecologists who do abortions themselves.“

Unfortunately though, it is mainly a platform for women at the moment. Few men have been involved with MSfC so far, Baier says. But that is something she would also like to see change. „Men are very welcome.“

 

An die Papaya, fertig, Schwangerschaft abbrechen!

– von Dinah Riese (taz, 11. Mai 2018):

Die Methoden des Schwangerschaftsabbruchs sind kein Bestandteil des Medizinstudiums an der Charité – Europas größter Uniklinik. Und so üben die angehenden Mediziner*innen den Eingriff in ihrer Freizeit statt in einer Pflichtveranstaltung. An selbst mitgebrachtem Obst und unter der ehrenamtlichen Anleitung erfahrener niedergelassener Ärztinnen. „Lernt, was die Uni euch nicht lehrt“, steht auf den Plakaten, die den Weg in den Seminarraum weisen. Einen Leistungsnachweis erwartet hier niemand.

[…]

Bevor die Studierenden tatsächlich loslegen, erhalten sie einen Crashkurs in der Anatomie des kleinen Beckens – also jenes Teils des Beckens, der Uterus, Eileiter und Eierstöcke beziehungsweise die Prostata beinhaltet – und über die verschiedenen Methoden und Risiken bei Schwangerschaftsabbrüchen.

Es ist bereits das vierte Mal, dass der Workshop in den Räumen der Charité stattfindet. Organisiert hat ihn die Gruppe Medical Students for Choice, die sich für reproduktive Rechte und gegen die strafrechtliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzt. „Wir wollen, dass jede und jeder im Studium sich mindestens einmal grundlegend mit Schwangerschaftsabbrüchen auseinandersetzt und sich eine eigene Meinung dazu bildet“, sagt Alicia Baier. Die Medizinstudentin im neunten Semester hat die blonden Haare zu einem Knoten zusammengebunden, ihr Blick erfasst den ganzen Raum, kontrolliert, ob alles läuft, wie es soll.

Baier hat die Medical Students for Choice Ende 2015 mit gegründet. Jetzt steht sie mit zwei anderen Mitgliedern der Gruppe vor den Studierenden, die sich konzentriert über ihr Obst beugen. Alle drei tragen T-Shirts, auf denen ein stilisierter Uterus seine Eierstöcke in Siegerpose in die Höhe reckt. „Es gibt ein einziges Seminar, in dem der Schwangerschaftsabbruch thematisiert wird“, sagt Baier. Das ist im neunten Semester, und eigentlich geht es um Pränataldiagnostik – also Untersuchungen am Fötus, die unter anderem der Früherkennung von Fehlbildungen oder möglichen Krankheiten oder Beeinträchtigungen dienen. Eine „ungute Verbindung“ nennt sie diese Konstruktion im Curriculum – denn sie suggeriere, dass Behinderung und Abtreibung natürlicherweise zusammengehörten.
Und auch sonst hält Baier diese Lösung für schlicht nicht ausreichend: „Den Lernzielen zufolge sollen wir in diesen 90 Minuten etwas über die Indikationen und Verfahren der Pränataldiagnostik lernen“, sagt Baier. „In den letzten zehn Minuten des Seminars soll es dann um Schwangerschaftsabbrüche gehen, allerdings bloß um deren rechtliche und ethische Aspekte.“ Und selbst dieser Teil falle aus Zeitgründen oft hinten runter, sagt Baier. „Um die Methoden geht es gar nicht.“

[…]

„Eine staatliche Universität kann ja schlecht verpflichtet werden, eine Straftat zu unterrichten“, sagt die Ärztin Gabriele Halder mit einem bitteren Lächeln. Insgesamt werde der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland extrem stiefmütterlich behandelt, auch in der Forschung und in der Weiterbildung. Und so spiele er auch an den Universitäten eine marginale Rolle. „Ob eine angehende Gynäkologin dann in der Facharztausbildung mit dem Eingriff in Kontakt kommt, hängt sehr von der Klinik ab, an die sie kommt.“

[…]

Alicia Baier steht am Rand und beobachtet die Handgriffe ihrer Kommiliton*innen aufmerksam. „Die größte Gefahr ist das Nichtwissen“, sagt sie. „Viele denken, es läuft ja irgendwie, die Versorgung ist ja da. Und wenn es ihnen nicht mal in der Ausbildung begegnet, sehen sie auch keinen Grund, sich mit Schwangerschaftsabbrüchen zu beschäftigen.“ Das hat Folgen: Eine Recherche der taz hat gezeigt, dass immer weniger Ärztinnen und Ärzte bereit sind, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Die Älteren hören nach und nach auf, und es fehlen junge Mediziner*innen, die in deren Fußstapfen treten.

[…]

Das liegt zum einen am Stigma, das dem Schwangerschaftsabbruch immer noch anhaftet – zum anderen daran, dass er in der Ausbildung maximal einen Randaspekt darstellt, glaubt Baier. Sie selbst und die Medical Students for Choice wollen das ändern […].

 

– von Pia Seither (Bento, 17. Mai 2018):

Eine Abtreibung ist ein sensibles Thema. Und viele angehende Ärztinnen und Ärzte der Berliner Universitätsklinik Charité werden darauf nicht ausreichend vorbereitet. Bis zum Ende des sechsten Semesters – also vor dem ersten schriftlichen Staatsexamen – gibt es keine Veranstaltung an der Uni, die das Thema Schwangerschaftsabbruch behandelt. (MSFC Berlin)

Gerade einmal zehn Minuten gehe es in einem Seminar im neunten Semester um Schwangerschaftsabbrüche, erzählt zum Beispiel die Medizinstudentin Alicia Baier. Es stehen allerdings nur die rechtlichen und ethischen Aspekte auf dem Lehrplan. (taz)

Also bringen sich die Studierenden einfach selbst bei, wie sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen – an Papayas.