Der Schwangerschaftsabbruch sei gar nicht tabuisiert.

Ein Tabu ist ein “ungeschriebenes Gesetz, das aufgrund bestimmter Anschauungen innerhalb einer Gesellschaft verbietet, bestimmte Dinge zu tun” [1]. Bei dem Schwangerschaftsabbruch (SAB) handelt es sich sogar um ein geschriebenes Gesetz (§218 StGB), das die Durchführung verbietet (und die Strafverfolgung nur in einigen Ausnahmen unterlässt). Die “Wissenschaftliche Dienste” des Deutschen Bundestages erläutern in ihrem Sachstand zur ”Regelungssystematik der §§ 218, 218a StGB” zudem, dass “der Gesetzgeber so zum Ausdruck bringt, dass der Schwangerschaftsabbruch innerhalb der Frist nach Beratung zwar nicht strafbar, aber dennoch verwerflich und rechtswidrig ist” [2]. Schon rein definitionsgemäß handelt es sich deswegen beim SAB um ein Tabu.
Auch die Bundesärztekammer führt den Rückgang der Gynäkolog*innen auf die Tabuisierung und Konflikte mit sogenannten “Lebensschützer*innen” zurück: „Wir haben großes Verständnis für jeden Arzt, der unter den derzeit herrschenden Bedingungen keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen möchte“, sagte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer gegenüber Kontraste:  „Wir würden sehr begrüßen, wenn die Politik sicherstellt, dass Ärztinnen und Ärzte betroffene Frauen nach medizinischen Standards versorgen können, ohne von so genannten „Lebensschützern“ diffamiert und in der Ausübung ihres Berufes zum Teil massiv gestört zu werden.” [3]
Zu guter Letzt bestätigen uns die Rückmeldungen von Workshop-Teilnehmer*innen (in einem von uns erstellten Feedback-Fragebogen), dass das Thema als gesellschaftlich tabuisiert und gesellschaftlich stigmatisiert empfunden werde. Viele sind froh, durch den Workshop mehr sachliches (Fakten-) Wissen erhalten zu haben.

Quellen:

  1. https://www.duden.de/rechtschreibung/Tabu
  2. “Sachstand: Regelungssystematik der §§ 218, 218a StGB”. https://www.bundestag.de/blob/541290/4654eee8823c4fd7efb68cc1d85b1954/wd-7-161-17-pdf-data.pdf
  3. Bundesärztekammer klagt über zunehmenden Druck von Abtreibungsgegnern: Immer weniger Ärzte führen Abtreibungen durch”. https://www.rbb-online.de/kontraste/themen/lunapharm-skandal–durchsuchungen-in-deutschland-und-der-schweiz1.html