Praktische Übungen gehören in die Facharztausbildung, nicht in das Medizinstudium. Der Workshop berge die Gefahr, dass manche Interessierten mit den „falschen“ Beweggründen teilnehmen.

Zum einen ist der Schwangerschaftsabbruch (SAB) bis heute kein Facharzt-Wissen, da seine Durchführung nicht im fachärztlichen Gegenstandskatalog gefordert wird. Somit ist das Medizinstudium selbst für zukünftige Gynäkolog*innen die möglicherweise letzte niedrigschwellige Gelegenheit, eine kompakte praktische Fortbildung mit Thematisierung der medikamentösen und chirurgischen Therapiemöglichkeiten zum SAB zu erhalten. Zum anderen wollen wir durch unseren Workshop keinesfalls die medizinische Ausbildung ersetzen. Unser Ziel ist es lediglich, Studierenden, die sich noch nie/selten mit dem Thema SAB beschäftigt haben, einen Einstieg zu ermöglichen. Dabei legen wir Wert auf eine nachhaltig kritische Auseinandersetzung und hoffen somit einen enttabuisierten und entstigmatisierten Umgang mit dem Thema SAB unter Medizinstudierenden zu fördern.
Der Workshop besteht aus zwei Teilen, einem theoretischen und einem praktischen Teil, wobei die Anwesenheit am Theorie-Teil notwendig ist, um an den praktischen Übungen teilnehmen zu können. Da sowohl Zeit und Material während des Workshops begrenzt sind, können die Studierenden den Eingriff für gewöhnlich nur einmal am Papaya-Modell nachvollziehen. Zu keiner Zeit wird den Teilnehmer*innen während des Workshops vermittelt, sie seien danach befähigt, den Eingriff selbstständig durchzuführen. Die Angst, dass wir damit unqualifizierte Teilnehmende mit ggf. “falschen” Motiven in der Durchführung des SABs ausbilden, ist vollkommen unbegründet.
Die Ergänzung von theoretischen Inhalten durch praktische Erfahrungen innerhalb unseres Workshops ist dabei nichts Außergewöhnliches: So ist dies ein Grundsatz des Modellstudiengangs an der Charité, eine vermehrte Integration praktischer Übungen in das Curriculum einzubauen. Ebenfalls bot die DGGG während ihrer ersten “Summer School” in Heidelberg 2018 ihren studentischen Teilnehmer*innen an, gynäkologische Eingriffe am Modell praktisch zu üben (z.B.  “Basics in der Sonographie, Nahtkurs, Pelvitrainer, geburtshilfliches Notfalltraining an der Geburtspuppe, Skills-Lab, Laparoskopie-Trainer” [1]). Die Abwechslung von Theorie und Praxis hilft, einen langfristigen Reflektionseffekt zu erreichen und die Konsequenzen und Umstände des ärztlichen Handelns am Modell real erlebbar zu machen. Außerdem können Studierende so über das praktische Tun niederschwellig mit den Gynäkolog*innen in einen persönlichen Kontakt und Wissensaustausch treten.
Dasselbe wollen wir zum Thema SAB tun und orientieren uns an den etablierten “Papaya-Workshops” aus den USA [2]. Die Papaya wird als Modell für den Uterus genutzt, da sie kostengünstig ist, ungefähr die Größe und Form sowie ähnliche Empfindlich- und Verletzlichkeit einer Gebärmutter hat, und die Textur des Fruchtfleisches an die des Endometriums erinnert. Dass uns die Durchführung des “Papaya-Workshops” untersagt werden soll, während die DGGG praktische gynäkologische Übungen durchführen darf, zeigt, dass es nicht darum geht, dass praktische Übungen im Grundstudium generell inadäquat sind, sondern dass der SAB im Gegensatz zu anderen Bereichen der Gynäkologie stigmatisiert und tabuisiert ist (siehe hier)

Quellen:

  1. https://www.dggg.de/weiterbildung-dggg-nachwuchs/junges-forum/summer-school/
  2. Steinauer J, Preskill F, Devaskar S, Landy U, Darney P. The papaya workshop: using the papaya to teach intrauterine gynecologic procedures. MedEdPORTAL 2013; 9: 9388. https://doi.org/10.15766/mep_2374-8265.9388