Kritik am „Papaya-Workshop“ seitens der Gynäkologie der Charité

Seit geraumer Zeit ist der “Papaya-Workshop” in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten. Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, ob der
Schwangerschaftsabbruch im offiziellen Curriculum des Modellstudiengangs Humanmedizin ausreichend thematisiert wird und ob angehende Ärztinnen und Ärzte auf die Durchführung vorbereitet werden müssen. Anlässlich dieser kontroversen Diskussion wurden sowohl in der Fakultätsleitung der Charité als auch im Studienausschuss der Fakultät intensive Gespräche geführt, die zum Ergebnis haben, dass der “Papaya-Workshop” auch weiterhin durchgeführt werden soll als Ergänzung zum Curriculum, allerdings wurden daran die Erwartungen geknüpft, dass Lehrverantwortliche der Gynäkologie beteiligt werden und der Name des Workshops geändert wird. Im Vertrauen darauf, dass dies ein einvernehmlicher Konsens wäre, wurde kürzlich eine Fortbildungsveranstaltung in der Gynäkologie der Charité durchgeführt, unter anderem auch, um entsprechende Lehrpersonen für die Durchführung des Workshops zu gewinnen. Ungeachtet der vorangegangenen Gespräche wurde im Rahmen dieser Veranstaltung wiederholt scharfe Kritik am
“Papaya-Workshop” von Seiten der Professorenschaft geäußert, die dazu führte, dass keine der potentiellen Lehrpersonen sich bereit erklärte, den Workshop durchzuführen.
Im Folgenden haben wir die unserer Ansicht nach wichtigen Antworten auf die häufigsten Kritikpunkte zusammengetragen:

1. Ein „Papaya-Workshop“ für Studierende sei überflüssig, da bei der Thematik nur die ethischen Aspekte relevant seien und nicht das medizinische Know-How.

Die ethischen Implikationen eines Schwangerschaftsabbruches sind unbestritten. Gerade deswegen ist eine vertiefte und ausführliche Diskussion, so wie sie im “Papaya-Workshop” stattfindet, notwendig. Niemand wird gezwungen, diesen Eingriff vorzunehmen, aber diejenigen, die sich mit dieser Herausforderung konstruktiv auseinandersetzen möchten, erhalten hier die dazu notwendigen Informationen. Weiterlesen.

2. Praktische Übungen gehören in die Facharztausbildung, nicht in das Medizinstudium. Der Workshop berge die Gefahr, dass manche Interessierten mit den „falschen“ Beweggründen teilnehmen.

Im Vordergrund steht die theoretische Reflektion und die Sensibilisierung des ärztlichen Personals in der konkreten Situation mit Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen. Dazu gehört auch das Ausprobieren der praktischen Umsetzung, um die Konsequenzen und Umstände des ärztlichen Handelns am Modell real erlebbar zu machen.
Das Modell der Papaya dient nicht der Verharmlosung des Eingriffs! Insbesondere nach der vorangehenden intensiven Diskussion um die ethischen Dimensionen sind sich alle Teilnehmenden im Klaren darüber, wofür das Modell steht. Und so ist dieses Modell – ähnlich der äquivalenten Plastikmodelle in anderen Lehreinheiten – darauf ausgelegt, Ähnlichkeit anzudeuten und spezifische Eigenschaften herauszustellen. Weiterlesen.

3. Der Schwangerschaftsabbruch sei gar nicht tabuisiert.

Regelmäßiges Feedback von Workshop-Teilnehmer*innen, Umfragen und lassen Gegensätzliches vermuten. Weiterlesen.

4. Es sei unsäglich, die „Ermordung eines Menschen“ zu üben.

Beim Schwangerschaftsabbruch handelt es sich um Embryos oder Feten, die weder zu Schmerzen fähig noch allgemein lebensfähig sind. Weiterlesen.

5. Die psychische Belastung durch den Schwangerschaftsabbruch würde nicht ausreichend thematisiert werden.

Die psychische Belastung während der ungewollten Schwangerschaft, vor und nach dem Schwangerschaftsabbruch wird während des Workshops kurz erwähnt. Um alle Aspekte zur psychischen Belastung vollständig abzudecken, wäre eine separate Veranstaltung notwendig, welche gerade in Planung ist. Weiterlesen.

6. Der Workshop verfehle es, Alternativen aufzuzeigen und zu besprechen.

Da dies Teil der Schwangerschafts-Konfliktberatung ist, die 3 Tage vor dem Schwangerschaftsabbruch stattfindet, werden diese im „Papaya-Workshop“ nicht erwähnt. Wir haben jedoch bereits in der Vergangenheit Veranstaltungen organisiert, die sich diesem Thema widmen.Weiterlesen.