Anderes

Ich komme aus einem westlich gelegenen Bundesland und durfte mir schon öfter anhören „Noch so ein Wessi.“ oder „Ach du bist gar keine von uns.“ Das gibt mir das Gefühl, dass ich ausgeschlossen werde. Da will ich gar nicht erst wissen, wie es sich für die Menschen anfühlt, welche nicht in Deutschland geboren sind.
Studentin, 10.Semester

Zwei freie Praktikumsplätze in einer Klinik: ich werde in die Geriatrie geschickt, mein Freund in die Chirurgie.  
Studentin, 6.Semester

Immer wenn wir Blockpraktikum hatten, unsere Gruppe bestand aus 4 Mädels und einem Typen, kam der Spruch „Tja die Medizin wird weiblich“. Gerade wenn ein Mann uns betreut hat. Es ist nicht direkt sexistisch, aber ich habe nie gehört, dass eine Gruppe mit umgekehrten Geschlechterverhältnissen einen Spruch dazu abbekommen hat.
8. Semester
Uni Bonn

In einer Famulatur in einer Ausbildungspraxis der Charité hatte ich den Eindruck, dass ich vor Auflistungen nur geschützt war, weil er meinen Vater kennt. In den Heimen (er betreut drei Heime) haben die Pflegerinnen mir gesagt, dass „er sie jung am liebsten“ mag. Ich musste auch einmal einem etwas unangenehmen Gespräch beiwohnen, in dem ein Substitutionspatient seine ungläubige und respektvolle Freunde über seine 25 Jahre jüngere Freundin zum Ausdruck brachte, mit der er ein Kind erwartet. Sein Punkt war, dass sie wohl gut verdiente, gerade 30 war und ihn trotzdem zurückliebte. Der Arzt hat das kommentiert mit „Ja was will eine so junge Frau auch mit einem gleichaltrigen Mann, Frauen brauchen Männer mit Erfahrung.“ Und noch etwas mehr in die Richtung. Ich als junge Frau hab einfach nur auf den Boden geschaut, als mich dann beide angeschaut haben.
Studentin, 8. Semester, Berlin

Auf Facebook, in der Charité Modellstudiengang Medizin Gruppe: ein Bild vom französischen Fußballspieler Umtiti mit der Überschrift „When she asks what do you want to see but you stutter a little bit before answering“.
Berlin

In meinem Beitrag geht es weniger um eine Sexismuserfahrungen, sondern um strukturelle Diskriminierung anhand falscher Begrifflichkeiten: Menschen die in der Pflege arbeiten, werden in der Klinik und im Alltag häufig nur als „Schwestern“ bezeichnet. Der Begriff „Schwestern“ ist allerdings weder eine korrekte Berufsbezeichnung (zumindest für alle, die nach 2004 ihr Examen gemacht haben. Was relativ viele sind, wenn bedacht wird, dass Pflegekräfte im Schnitt nur 7 Jahre im Beruf bleiben..), noch ein besonders positiv konnotierter Sammelbegriff „für alles was mit Pflege zu tun hat“. Die korrekte Bezeichnung sind Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, bzw (Fach-)Pflegekräfte. Als Person, die 4 Jahre in der Pflege gearbeitet hat, ist mir wichtig, eben diese Begrifflichkeit auch zu besprechen, wenn es um Sexismus geht. Zu häufig werden Pflegekräfte – meist Frauen – in Kliniken nicht ernst- oder wahrgenommen. Es kommt zu einem Absprechen von fachlichen Kenntnissen und Erfahrungswissen, bzw. zu einem schlichten nicht-Wahrnehmen von pflegerischen Fähigkeiten und Kompetenzen. In Zeiten von ständiger personeller Mangelbesetzung und einer Zunahme des ökonomischen Druckes mögen Begrifflichkeiten nur kleine Auswirkungen auf eine bessere Wahrnehmung einer gesamten Berufsgruppe haben. Doch ich denke trotzdem, dass es zu einer Wahrnehmungsänderung kommen kann, wenn mensch aufhört in Pflegekräften „die Schwester“ mit ihren alt zugesprochenen Eigenschaften wie ständiger Demut und Unterwürfigkeit zu sehen, sondern endlich anfängt eine Pflegekraft als Professionelle*n mit Ausbildung und evidenz-basiertem Arbeiten zu erkennen. Von daher appelliere ich gerne an euch als kritische mediziner*innen: Hört doch bitte auf ständig von „den Schwestern“ zu reden, sondern nehmt Menschen in der Pflege als (Fach-)Pflegekräfte wahr und ernst. Herzlichen Dank – ich hoffe, ihr könnt durch eure Pflegepraktika-Erfahrung nachvollziehen, dass „Schwester,…!“ in den seltensten Fällen eine respektvolle Bemerkung nach sich zieht.
Pflegekraft. In jeglichem klinischen, sowie in den meisten privaten Umfeldern.